Print mit Haptik – Was wir berühren können, verstehen wir besser

Bei Printprodukten dreht sich oft alles nur um das Design und die Auflage. Weitere oft vernachlässigte, aber enorm wichtige Punkte sind die Zielstellung und die Haptik. Was es mit den Zielen auf sich hat, kann im Artikel „Erst denken, dann gestalten“ genauer nachgelesen werden. Bei der Haptik dreht sich alles um den fünften Sinn.

Letterpress Prägung mit Farbe auf Papier

Was ist Haptik?

Alle Eindrücke die man mit den Sinnesrezeptoren auf der Haut fühlen kann, werden mit dem Begriff Haptik beschrieben. Der Tastsinn entspricht der haptischen Wahrnehmung. Gemeint sind also Sinneswahrnehmungen die durch Berühren, Drücken oder Streichen ausgelöst werden. Auch Kälte und Wärmeempfindungen gehören dazu. Bei Printprodukten kommt es jedoch ausschließlich auf die Oberflächenbeschaffenheit an.

Neuro-Studie belegt was schon immer vermutet wurde

Hubert Burda Media, München hat eine umfangreiche Studie zur haptischen Wahrnehmung und dem Abspeichern von Informationen auf Printprodukten durchgeführt. Die Ergebnisse sind faszinierend.

Aufmerksamkeitsrate

Klassische Anzeige
Print mit Prägung
Print mit Beflockung

Emotionale Wirkung

Klassische Anzeige
Print mit Haptik

Aufmerksamkeitsraten bei Anzeigen mit erhabenen Oberflächen, sind im Vergleich zu klassischen Printanzeigen um 52% höher. Die emotionale Wirkung im Gehirn, welche besonders wichtig für die Einordnung als relevante Information ist, war sogar fast 2,5 mal höher. Das führte ebenfalls zu dem Effekt, dass 30% der Testpersonen die Informationen der haptischen Anzeigen auch noch nach mehreren Tagen wiedergeben konnten.

Damit wurde erstmalig nachgewiesen, dass durch die haptische Wahrnehmung gedruckte Informationen mit Emotionen belegt werden und der Betrachter diese Informationen dadurch aufmerksamer wahrnimmt.

Wie können Printprodukte haptisch aufgewertet werden?

Haptische Printprodukte sind grundsätzlich kostenintensiver in der Herstellung als einfache Drucke. Eine günstige Variante stellt aber schon die Veredelung mit partiellen Relieflack dar. Dabei wird dickflüssiger Klarlack mit einer Maske vereinzelt auf das Papier aufgebracht. Deckt man z.B. das Logo damit ab, wirkt es erhaben.

Die Premium Variante wäre eine Prägung, bei der mit einem speziell angefertigten Werkzeug, eine individuelle Form in das Papier gepresst wird. Dies lohnt sich aber frühestens ab einer Auflage von 250 Stück, da die Fertigungskosten für das Prägewerkzeug bezogen auf die Stückkosten sehr hoch sind. Wenn man sich dafür entscheidet nur das Logo zu prägen, kann das Prägewerkzeug aber über einer gewissen Auflage immer wiederverwendet werden bevor aus abstumpft.

Bei den Prägungen wird außerdem noch zwischen Blind-, Farb- bzw. Folienprägung unterschieden. Bei der Blindprägung wird die Form einfach in das unbedruckte Papier gepresst. Bei einer Farbprägung wird in die Form noch eine Sonderfarbe oder farbige Folie zwischen Papier und Werkzeug gepresst. Die Kosten können dadurch jedoch schnell das 10-fache betragen.

Weitere Möglichkeiten sind eine Folienkaschierung oder eine partielle Beflockung. Hierbei muss jedoch verstärkt auf die gewünschte Wirkung geachtet werden. Schnell kann durch eine derartige Veredelung Flyer oder Visitenkarten verspielt oder lächerlich wirken.

2018-07-25T11:01:34+00:0014. Dezember 2017|Strategie|