Growth Marketing bzw. Growth Hacking – mehr als nur ein Buzzword?

Was ist Growth Marketing und was hat das mit Hacking zu tun?

Growth Marketing reiht sich über anderen Marketing-Disziplinen, wie z.B. Content-Marketing, ein. Beim Growth Marketing geht es einfach gesprochen darum, für Unternehmen Marketingstricks zu entdecken und zu nutzen, die zu Wachstum verhelfen.

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Da es dabei um clevere Tricks geht, die noch kein Wettbewerber vorher genutzt hat, wird auch oft von Growth Hacking gesprochen. Ein Hack bedeutet hierbei nichts Kriminelles. Wenn man angenommen versucht seinen Toaster so umzufunktionieren, dass er gleichzeitig Kaffee brühen kann, dann ist das ein Hack.

Diese Marketing Hacks haben vorranging Wachstum zum Ziel. Wo das Wachstum stattfinden soll ist dabei egal. Es kann sich um Marktanteile, Produktverkäufe oder einfach nur um mehr Kontaktanfragen über eine Website handeln.

Es geht also darum, die Grenzen des Online-Marketings zu verschieben und neue unkonventionelle Wege zu gehen.

Thomas Herberger und Sandro Jenny haben in ihrem Buch Growth Hacking eine Kurz-Definition entwickelt:

„Growth Hacking ist die optimale Synthese aus Produkt, User Experience (UX) und Marketing – mit Wachstum als Ziel.“

Ist Growth Marketing jetzt das gleiche wie Growth Hacking?

Die Fachwelt ist sich bei der Unterscheidung dieser Begriffe nicht ganz einig. Zumal sich Hacking im Marketing Kontext so frisch und neu anhört und sich gut als neue Idee verkaufen lässt.

Wer Online-Wachstum als Ziel verfolgt, wer dabei experimentierfreudig ist und wer skalierbare Lösungen sucht die es noch nicht gab, betreibt Growth Hacking. Wem es tatsächlich gelingt für ein Produkt oder eine Dienstleistung einen neuen und erfolgreichen Hack durchzuführen, darf sich Growth Hacker nennen.

Growth Marketing und Growth Hacking Unterschiede

Nach dem Hack wird die Aufgabe bzw. das Produkt wieder an die Marketingabteilung übergeben, die sich dann mit Growth Marketing beschäftigt. Ziel ist weiteres Wachstum. Doch es werden keine neuen Hacks verwendet, sondern ein bestehender wird gepflegt und ggf. optimiert.

Es ist heute sehr schwer einen Hack zu finden, der noch nie dagewesen ist. Denn im Prinzip gibt es Growth Hacking spätestens seitdem es Online-Marketing gibt. Deshalb wird Growth Marketing üblicherweise treffender sein, als Growth Hacking.

Beispiele für echtes Growth Hacking und Growth Marketing

Der YouTube Growth Hack

Ursprünglich war YouTube nicht als Zentrum für Katzenvideos und aufmerksamkeitssuchende Lifestyle Sternchen geplant, sondern sollte eine Dating-Plattform werden. Nutzer konnten sich dem anderen Geschlecht mit kurzen Videos vorstellen.

Doch die Anmeldungen blieben unter den Erwartungen. Also öffnete sich YouTube für Videos aller Art. Der Durchbruch gelang dann mit einem echten Growth Hack. 2005 gab es den sogenannten YouTube Embed Code. Damit war es kinderleicht YouTube Videos in andere Websites einzubinden.

Damals war noch MySpace und nicht Facebook der Big Player im Social Media Bereich. MySpace Nutzer fingen an, YouTube Videos auf ihren persönlichen MySpace-Seiten einzubinden und machten somit indirekt Werbung für YouTube auf einer der größten Social Media Seiten seiner Zeit. Innerhalb von vier Jahren erhöhte YouTube seine Aufrufe von täglich 100 Millionen auf 2 Milliarden.

Beispiel für Growth Marketing

Vielleicht haben Sie schon einmal von Reverse Graffiti gehört. Dabei wird mit einer Schablone und einem Hochdruckreiniger eine Straße oder Betonmauer partiell gereinigt. Dadurch entsteht ein Bild oder eine Werbebotschaft die nicht zwangsläufig illegal ist, weil sie nach kurzer Zeit von selbst verschwindet.

Growth Marketing mit Reverse Graffiti

Neu ist das nicht und kann deshalb genaugenommen kein Growth Hack sein. Aber angenommen ein Student namens Sven hat eine geniale Website entwickelt, auf der gegen kleines Entgelt Übungsklausuren der letzten Jahre erworben werden können. Da Sven kaum Budget für eine klassische Marketing Kampagne hat, „reinigt“ er in einer Nachtaktion die Betonflächen der Bushaltstellen am Campus mit Schablone und Hochdruckreiniger. Somit sehen die busfahrenden Studenten seine Website und den Spruch: „Für jede Empfehlung eine Prüfung kostenlos“.

Diese Art von Kundengenerierung über Empfehlungen ist ebenfalls nichts Neues. Bei dem Graffiti kann man maximal von Guerilla Marketing sprechen. Also mit wenigen Mitteln möglichst viel Aufmerksamkeit erzeugen.

Das Growth Marketing ist die die Gesamtheit der Aktionen. Aufmerksamkeit erzeugen und durch die Empfehlungsfunktion neue Nutzer wie in einem Schneeballsystem generieren. Denn im Warenkorb hat der sparsame Student die Option für die Prüfung zu zahlen oder die Website auf Facebook zu teilen, um die Prüfung kostenlos zu erhalten.

Diese Aktion wäre clever, günstig, beliebig skalierbar und damit Growth Marketing.

Wem nützt Growth Hacking?

Im Prinzip kann jeder Besitzer einer Website Growth Hacking sinnvoll für sich einsetzen. Dazu kann man sich eine verallgemeinerte Customer Journey ansehen. Eine Customer Journey stellt den Weg des noch unbekannten Kunden hin zu einem begeisterten Kunden seines Unternehmens dar.

Im Beispiel der Website von Sven mit seiner Prüfungsplattform, könnte die Customer Journey folgende Zwischenschritte beinhalten.

  1. Anlocken: die Zielgruppe auf die eigene Website locken
  2. Konvertieren: aus einem Websitebesucher einen Newsletter-Abonnenten machen
  3. Abschließen: der Newsletter-Abonnent wird ein zahlender Kunde
  4. Begeistern: Kundenpflege durch stetig neue Inhalte. Kunden empfehlen das Produkt und zahlen künftig nicht mehr pro Prüfung, sondern eine monatliche Pauschale für den unbegrenzten Zugriff auf Prüfungen
Customer Journey Marketingagentur Dresden

Der Hinweis, dass diese Customer Journey unvollständig ist, keine Touch Points und Motiviationen berücksichtigt, soll an dieser Stelle nicht fehlen. Es soll in diesem Artikel vorrangig nur die Prozessbetrachtung gehen.

Anlocken der Zielgruppe

Hier gilt es zu verstehen, was die Zielgruppe ganz am Anfang des Prozesses an Wissen oder an Hilfe benötigt. Sven stellt sich dafür folgende Fragen:

  1. Kennt die Zielgruppe das Produkt bereits?
  2. Haben die Kunden rechtliche Bedenken, ob der Prüfungskauf erlaubt ist?
  3. Verstehen sie die den Nutzen des Angebots?

Die Frage ob die Zielgruppe das Produkt bereits kennt begegnete Sven mit dem Reverse Graffiti (siehe oben). Für Frage 2 schreibt er in seinem Blog darüber, dass diese Form der Prüfungsvorbereitung rechtlich unbedenklich ist und weist auf Erfolge seiner Kunden hin, die in einer Infografik zusammengefasst sind. Diese Infografik beantwortet der Zielgruppe gleichzeitig die dritte Frage. Sven hat einige seiner Kunden zu ihren Noten befragt und herausgefunden, dass Studenten die sein Angebot genutzt haben ca. 30% besser bewertet wurden. Damit kann er jetzt über die Kunden-Konvertierung nachdenken.

Konvertieren der Zielgruppe

In den Blogbeiträgen fügt Sven deutliche Handlungsaufforderungen für eine Newsletter-Anmeldung ein. So genannte Call-to-Actions. Wer sich zur Anmeldung durchringen kann, bekommt einen Prüfungsdownload gratis. Damit ist für die Anmeldung ein Mehrwert gegeben.

Abschließen – der Kunde zahlt

Sven hat dafür gesorgt, dass die Website schnell lädt und der Anmeldungs- sowie der Kaufprozess sehr einfach gehalten ist. Seine Kunden sind begeistert und profieren von seinem Angebot. Der Besuch seines Onlineshops ist frei von Frustmomenten. Mit einer sehr guten Nutzerfreundlichkeit ist alles darauf ausgerichtet, die richtige Prüfung in den Warenkorb zu legen und zu kaufen.

Begeistern – Kunden binden

Jeder Kunde der sich seine dritte Prüfung herunterladen möchte bekommt im Warenkorb den Hinweis, ein monatliches Abo abzuschließen, um unbegrenzt viele Prüfungen herunterladen zu können. Wer das Abo abschließen möchte und zuvor an einer Umfrage teilnimmt, zahlt erst ab dem zweiten Monat. Somit hat Sven Zugriff auf eine stetige „Marktforschung“ und weiß genau, welche Themengebiete in seinem Angebot fehlen oder stärker ausgebaut werden müssen.

Ist Growth Hacking das Marketing der Zukunft?

Growth Hacking ist wie im Beispiel von YouTube (Dating Plattform) gezeigt, nichts Neues. Es ist die ganzheitliche Herangehensweise und das Ausloten der rechtlichen Grenzen (Reverse Graffiti). Growth Hacking hat Wachstum mit geringen finanziellen Mitteln als Ziel und kann von jedem angewandt werden, der genügt Kreativität, technisches Know-How und Begeisterungsfähigkeit für Neues mitbringt.

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2018-07-25T14:47:56+00:0011. Mai 2018|Marketing, Strategie|

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