Den Relaunch dieser WordPress-Website habe ich zum Anlass genommen, um das beste Hosting für mich und meine Kunden finden. Das Ergebnis war überraschend. Getestet habe ich folgende Anbieter:

  1. raidboxes.de (Starter-Tarif)
  2. hetzner.de (Managed Server MC40)
  3. all-inkl.de (Private Plus)
  4. Kinsta.com (Starter)
WordPress Hosting Vergleich PageSpeed Infografik

Meine Prioritäten für den WordPress-Hosting-Test

Die Seitenlade-Geschwindigkeit war mir wichtiger als der Preis und das Server-Backend.

Ob Apache oder Nginx als Betriebssystem war mir egal. Mit beiden Systemen habe ich bereits WordPress-Websites auf 100 PageSpeed-Punkte gebracht.

Ein vollständiges WordPress Managed Hosting kommt für mich nicht in Frage. Viele Plugins werden von den Anbietern nicht unterstützt oder willkürlich aktualisiert. Das führt früher oder später zu Problemen. Ich aktualisiere z.B. selten direkt auf die nächste Major Version, also z.B. von 1.9 auf 2.0. Meistens gibt es zwar neue und wichtige Features, aber eben auch Bugs. Mit Version 2.0.1 sind Updates in der Regel wieder kompatibel zu anderen Versionen.

Außerdem entwickle ich für Kunden häufig eigene Plugins und musste schon erleben, dass diese dann nicht aktiviert werden können.

 

Somit kam folgendes Bewertungssystem zustande:

  • Je Kategorie gab es 1 bis 5 Punkte. Je höher die Punktzahl, desto besser.
  • Die Seitenlade-Geschwindigkeit wurde mit Pingdom gemessen.
  • Der Google PageSpeed wurde jeweils zwölfmal gemessen: sechsmal um 10 Uhr und sechsmal um 15 Uhr.
  • Subjektiv habe ich die Qualität des User-Backends und die WordPress-Installation bewertet.
  • Die Seitenlade-Geschwindigkeit bekam die höchste Gewichtung (3). Gefolgt vom PageSpeed (2), der subjektiven Bewertung (1) und dem monatlichen Preis (1).
Die Wertungen die zu dem Ranking geführt haben, sind hier zusammengefasst:

RaidboxesHetznerALL INKLKINSTA
Ø-Pingdom-Ladezeit0,61 s0,72 s0,84 s0,71 s
Ø-Google PageSpeed94,683,582,680,5
Backend4/53/51/53/5
WP-Installation5/52/53/52/5
Preis netto pro Monat und WP-Installation15,00 €9,60 €6,68 €27,05 €

Gleiche Ausgangsbedingungen für die Anbieter

Die WordPress-Website für den Test war 350MB groß – vollständig mit Bildern, Plugins einem Blog und 2 weiteren Custom Post Types (FAQ und Projekte). Ein CDN habe ich für die Tests nicht verwendet.

Auf jedem Server habe ich die WordPress-Website zuerst mit Fokus auf den Google PageSpeed optimiert. Raidboxes und Kinsta unterstützen z.B. WP Super Cache nicht. Ebenso bringen .htaccess Einstellungen nichts, da als Betriebssystem Nginx verwendet wird.

Bei ALL-INKL und Hetzner war dagegen das volle Programm möglich, bevor der Test beginnen konnte. WP Super Cache, Automize, Perfmatters habe ich als Optimierungs-Plugins eingerichtet und ebenso die .htaccess Datei ausgiebig bearbeitet.

SSL war bei allen Tests aktiviert.

Der Gewinner im WordPress Hosting-Test und die Überraschung

Wie am Anfang in der obersten Grafik gezeigt, hat raidboxes.de im Vergleich gewonnen. Die Überraschung für mich war jedoch die ALL-INKL. Der günstigste Anbieter im Test war nicht der mit der schlechtesten Performance.

Günstigster Anbieter auf dem dritten Platz

Der drittplatzierte ist nicht nur der günstigste Anbieter, sondern “auf dem Papier” sogar der schlechteste. 50 Kunden teilen sich eine virtuelle Maschine. Als Betriebssystem kommt Apache zum Einsatz. Das Backend wirkt so alt, dass es vor zehn Jahren schon nicht mehr modern gewesen wäre.

Entscheidend war am Ende jedoch die Geschwindigkeit. In puncto Performance konnte ALL-INKL mit Hetzner locker mithalten.

Die Installation erfolgt klassisch manuell, dafür aber ohne Probleme.

WordPress Seitenladegeschwindigkeit gemessen mit Google PageSpeed für ALL INKL

Hetzner ist gut, aber teuer

Der Hetzner-Server ist der teuerste Tarif gewesen. Hier mieten Sie allerdings auch Ihr eigenes Stück Hardware in einem Frankfurter Rechenzentrum. Für eine einzelne Website lohnt sich Hetzner nicht. Ab zwei oder drei Websites oder einem Shop allerdings schon.

Die Installation hat etwas länger als üblich gedauert. Das Übertragen der Website aus MAMP Pro hat nicht funktioniert. Ich musste dafür das Duplicator Pro Plugin verwenden und die Installation auf dem Server über ein PHP-Script starten.

Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass der Hetzner-Server ein Problem beim Entpacken von Zip-Archiven hat, wenn sich darin viele kleine Dateien befinden. Da ich mit Git, React und Node arbeite, hatte ich sehr viele Dateien in meinem Projekt. MAMP Pro bietet auch leider keine Lösung, diese Dateien nicht mit zu übertragen.

WordPress Seitenladegeschwindigkeit gemessen mit Google PageSpeed für Hetzner

Kinsta zickig – DSGVO-Konformität fraglich

Kinsta hat mein selbstentwickeltes FAQ-Plugin beim Umzug ohne Mitteilung deaktiviert. Es ließ sich zwar wieder aktivieren und es folgten dann auch keine Fehlermeldungen. Aber wer weiß schon, ob das nicht jederzeit wieder passieren kann.

Ebenso störend finde ich, dass nur mit Kreditkarte bezahlt werden kann. Eine normale Bezahlung per Rechnung oder Lastschrift macht die Buchhaltung doch etwas einfacher.

Für mich ist Kinsta allerdings in erster Linie aufgrund der fraglichen DSGVO-Konformität für meine Kunden nicht einsetzbar. Kinsta nutzt für das Speichern der Daten die Google-Cloud-Plattform und ist außerdem Mitglied im EU-USA Privacy Shield Framework. Das bedeutet, dass personenbezogene Daten gesammelt und an die USA weitergegeben werden – wenn auch laut Kinsta nur für betriebsnotwendige und rechtliche Zwecke. Das reicht mir allerdings schon, um für Kunden-Websites keine Haftung übernehmen zu wollen.

Somit kann ich Kinsta für deutsche Unternehmen nicht empfehlen. In meinen Tests war Kinsta aber sowieso langsamer als Raidboxes.

WordPress Seitenladegeschwindigkeit gemessen mit Google PageSpeed für Kinsta

Der Gewinner im Langzeittest

Aufgrund der Ergebnisse habe ich dann kurz vor Weihnachten meine fertige Website zu Raidboxes umgezogen. Das ging, wie schon im Test beschrieben, fast von allein.

Der Umzug läuft mit dem Raidbox-Plugin praktisch ohne Zutun, sobald auf Start geklickt wird. Dateipfade in der Datenbank werden automatisch angepasst.

Eine Überprüfung mit Better Replace und anschließend mit Screaming Frog würde ich aber dennoch jeden empfehlen. 

WordPress Seitenladegeschwindigkeit gemessen mit Google PageSpeed für Raidboxes

98/100 PageSpeed-Punkte ohne Aufwand

Die Geschwindigkeit war wie erwartet super: 98/100 Pagespeed-Punkte ohne jegliche Optimierung Zutun. Auch Autoptimize war noch deaktiviert. Für ein optimales Ergebnis wollte ich wieder Cloudflare als CDN aktivieren. Hier gab es allerdings Probleme.

Cloudflare machte anfangs Probleme

Sobald Cloudflare aktiviert war, öffnete sich wieder die alte Website auf dem alten Server. Es hat vom 23.12. bis zum 28.12. gedauert, bis Cloudflare funktioniert hat. Der Support von Raidboxes war dabei grandios. Aber auch ALL-INKL hat innerhalb weniger Stunden, wenn auch nicht immer konstruktiv, geantwortet.

Am Ende war das Problem, dass die angezeigten DNS Nameserver bei All-INKL nicht den tatsächlichen entsprachen. Nur der Support konnte diese ändern.

Redundante Ergebnisse bei der Seitenladegeschwindigkeit

Der Pingdom-Test zeigt, dass meine Website konstant gute Seitenladegeschwindigkeit bietet. Und das wie gesagt mit WordPress.

PageSpeed Seitenladegeschwindigkeit einer WordPress Websites mit Pingdom gemessen

 

Mittlerweile habe ich ein zweites Kunden Projekt umgezogen. Auch Hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung wie die Grafik zeigt.

Google PageSpeed nach Serverumzug der WordPress Website von Hetzner zu Raidboxes

Fazit

Keiner der getesteten Anbieter ist schlecht. Aber da ich für meine Kunden das beste herausholen möchte, setze ich zukünftig auf Raidboxes.

Raidboxes war am Ende der Anbieter mit dem geringsten Aufwand für mich und der besten Seitenlade-Geschwindigkeit.